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Mordsteine:    Leseprobe 1 | Leseprobe 2 | Leseprobe 3

Doch in den Gewölben ...

In der Altstadt wird ein großes Geschäftshaus renoviert. Thomas, der Elektriker, und Olaf, der Klempner, sollen in dem alten verwinkelten Keller Kabel und Rohre verlegen. Dabei stoßen sie auf eine zugemauerte Tür. Was sie dahinter entdecken, erzählt Thomas:

Mit einer Kabellampe traten wir in den engen Tunnel. Im Boden war eine Vertiefung eingearbeitet, durch die ein träges Rinnsal floß.

"Das scheint wirklich eine Kanalisation zu sein. Komisch, die Brühe riecht überhaupt nicht nach Scheiße."

"Das ist auch keine. Aber irgendwas gärt hier still und leise vor sich hin. Das ist ja ein Brodem sondergleichen."

"Pfui Deibel. Hm. Der Tunnel scheint länger zu sein, als das Haus breit ist."

Ich leuchtete in die Tiefe.
"Da hinten macht er sogar einen Knick. Wieso verläuft der überhaupt unter dem Haus und nicht unterm Gehsteig?"

"Was weiß ich. Wollen wir mal ein Stück hineingehen?"

Ich zog mir einige Meter Kabel heran und legte es in Schlaufen in meine Hand. Bei jeden Schritt ließ ich eine Schlinge fallen. Unsere Stimmen hallten gespenstisch durch das Gewölbe.

"Das ist unheimlich hier."

"Das habe ich auch gerade gedacht. Wenn bloß dieser Gestank nicht wäre."

"Fürchterlich. Aber es zieht hier ein wenig. Vielleicht verschwindet der Geruch ja nach einer Weile."

Wir tappten weiter.
"Merkwürdig, hier scheint's gar keine Ratten zu geben."

"Dabei müßte es hier doch eigentlich wimmeln."

In Olafs Augen glomm eine böse Ahnung.

"Was hast du?"

"Thomas! Irgend etwas ist hier unten!"

Kalt überlief es mich.
"Wie kommst du darauf?"

"Ich fühle es! Dieser Geruch ... und daß es hier keine einzige Ratte gibt! Und wieso wurde die Tür zugemauert?"

Aus einem runden Mündungsloch am Ende des Tunnels sprudelte plötzlich Wasser heraus. Erschrocken sprangen wir breitbeinig auf den erhöhten Rand der Rinne, um keine nassen Schuhe zu bekommen.

"Mensch, paß bloß auf!" rief ich.

Angestrengt starrten wir in die Flüssigkeit, die zwischen unseren Beinen hindurchströmte. Meine Knie zitterten. Olaf hatte Recht. Irgend etwas war hier.

"Siehst du was?"

"Nein."

Ich blickte ihm über die Schulter. Und da geschah etwas Merkwürdiges. Aus dem Loch glitt etwas heraus. Der Strom in der Rinne begann sich zu kräuseln, dann drehte sich das Wasser um seine Fließachse, sodaß es aussah wie das Gewinde einer Holzschraube. Langsam schlierte der Strudel auf uns zu. Starr vor Entsetzen stierten wir in die Rinne.

"Das sieht aus wie ein durchsichtiger Wurm ... wie Schleim ..."

Dann floß es zwischen unseren Beinen hindurch. Im trüben Wasser glaubte ich zwei tote glasige Augen zu sehen. Der Strudel verschwand hinter uns in der Dunkelheit, ohne das etwas geschehen war. Aus der Öffnung vor uns tröpfelte es nur noch.

"Raus hier!" schrien wir zugleich und rannten zum Ausgang. In fliegender Eile stellten wir eine alte Tür vor das Loch. Dann fingerten wir nervös nach unseren Zigaretten.

"Was war das, Mann?"

Was Olaf darauf antwortet, ist genauso verworren wie falsch. Denn das ist erst der Anfang. Plötzlich scheint der ganze finstere Keller wie verhext und die beiden machen eine grausige Entdeckung.

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